Cebuano/Tagalog-Sprachkurs - Teil 1 Grammatik

So jetzt ist es soweit, hier gehts los mit dem Sprachkurs. Es wird auch ein kleiner Einblick in die Grammatik gegeben, allgemein und leicht verständlich ohne zu trocken und damit langweilig zu werden.

Autor des Sprachkurses ist Peter Miñoza. Vielen Dank an Ihn für die tolle Bereicherung dieser Homepage.

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CEBUANO (SUGBUHANON / VISAYAN) GRAMMATIK

EINIGE WORTE VORAB ...

Der Versuch auf den Philippinen eine vollständige Grammatik der visayanischen Sprache zu erhalten gestaltet sich als äußerst schwierig. Selbst auf Cebu, jener schmalen Insel im Herzen des Archipels, die durch den Begriff »Cebuano« (Sugbuhanon) den dortigen Mundarten ihren Namen verleiht. Und wer denn doch das Glück hat ein grammatikalisches Werk zu ergattern, dürfte es wohl kaum in Deutsch verfaßt vorfinden.

Natürlich läßt sich eine Sprache auch ohne Grammatik erlernen ... wenn man lange genug im Lande ist und im Verlauf der vielen Jahren ein Gefühl für die Nuancen entwickelt. Dennoch, auch wenn man/frau es nicht immer wahrhaben will: Grammatik ist die Seele einer jeden Sprache. Aus ihr formen sich jene Feinheiten, die Worte »leben« lassen und es uns ermöglichen, das auszudrücken, was wir sagen wollen. – Meistens jedenfalls.

Die philippinischen Sprachen sind weitaus komplexer und auch komplizierter, als in der westlichen Welt vielfach angenommen. Die ersten Spanier, die nach 1565 den Archipel bereisten, die Menschen missionierten und das Land in allen Einzelheiten beschrieben, zeigten sich hellauf begeistert von den tiefsinnigen der Mundarten, insbesondere des Tagalog. Es erleichterte ihnen nicht zuletzt das Christentum zu verbreiten, da alle wesentliche Aussagen der Religion mit einheimischen Begriffen und Worten wiedergegeben werden konnten.

Heute fliegen wir auf die Philippinen und bedienen uns des weitgehend überall verbreiteten Mediums Englisch. Aber mal Hand aufs Herz: Mögen wir es nicht auch gerne, wenn uns ein Gast in unserem Land in unserer Muttersprache begrüßt, vielleicht gar im heimischen Dialekt; wenn ein »Danke« anstelle eines »Thank you« gesagt wird? Filipinos jedenfalls freuen sich, wenn ein ausländischer Besucher zumindest versucht, ihre Sprache zu sprechen. Und wenn man sie falsch ausspricht, was solls? Die Menschen dort honorieren dieses Entgegenkommen mit großer Freundlichkeit und Freude ... und verbessern tun sie nur, wenn sie nachhaltig dazu aufgefordert werden. Denn keineswegs möchten sie jemanden verletzen, der ihre nicht ganz leichte Sprache über die Zunge bringt.

Natürlich haben wir unsere hier vorliegende Grammatik »entschärft«. Schließlich geht es nicht um einen vollständigen Sprachkurs mit Diplom, sondern um den Spaß und die Freude, in den Visayas den einen oder anderen Satz mal mit einheimischen Worten zu verfassen. »Die Seele eines Volkes ist seine Sprache«; und die Filipinos – so amerikanisch wie sie auf einen ersten oberflächlichen Blick erscheinen mögen – haben eine sehr volkseigene, vor allem liebenswerte Seele. Lingawlingaw – Viel Spaß!

 

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ALPHABET & AUSSPRACHE

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Das philippinische Alphabet wird nach seinen ersten vier Buchstaben Abakada genannt. Denn obwohl Buchstaben wie z.B. »c«, »f« oder »z«, besonders in Orts- und Eigennamen, recht häufig vorkommen, sind sie doch in der eigentlichen Sprache nicht vorhanden. In der Regel handelt es sich dabei um Lehnworte, aber auch falsche Schreibweisen der frühen spanischen Kolonisten wurden bis heute unverändert beibehalten. Cebu (ßebu) ist da ein gutes Beispiel, denn eigentlich heißt die Insel Sugbu (ßugbu). Doch den Spaniern schien der Name nicht zu gefallen. Oder konnten sie ihn nicht richtig schreiben? Jedenfalls begab er sich durch die alten Chroniken hindurch auf eine schriftliche Odysee. Von Zzubu über Zebuh nach Sabu und Cubu bis es schließlich bei Cebu blieb.

Cebuano hat 19 Buchstaben: a (a), b (ba), k (ka), d (da), e (e), g (ga), h (ha), i (i), l (la), m (ma), n (na), ng (nang), o (o), p (pa), r (ra), s (sa), t (ta), u (u), w (wa) y (ja).

Zusätzlich werden, wie erwähnt, andere Buchstaben in Orts- und Eigennamen verwendet:

»c« variiert zwischen scharfem »s« wie in Cebu (ßebu) oder Jocelyn (joßelyn) oder »k« wie in Carbon Market (karbon market), Mactan (maktan) und Colon Street (kolon striet).
»f« immer wie unser eigenes »f«
»g« wird in manchen Fällen sprachlich zu »gw«, wie z.B. in »guapo« (gwuapo) = gutaussehend, schön.
»j« richtet sich nach der Herkunft des Wortes. Ist es spanisch, dann »ch« wie in José (chosee) und Juan (chuan); ist es amerikanisch wird es zu »dschäi« wie in Jeepney (dschiepney) oder Jazz (dschäß).
»ll« genau wie in spanisch »Mallorca« zu »j« (majorca)
»ñ« ist der spanische Ursprung deutlich anzusehen. Es wird »nj« ausgesprochen, wie in Niño (ninjo) oder Miñoza (minjoßa).
»qu« wie unser »k«; also nicht kweeßon ßity für Quezon City sondern keesßon ßity.
»v« stets weich wie in Vase, Ventilator usw.
»v« wird häufig wie »b« betont, so, wie es die Spanier machen. Die Visayas werden daher vielfach zu Bisayas.
»x« bleibt beim »x« und kommt nur in Fremdworten vor.
»z« ebenfalls scharf betont, wie in Zambales (zambales), Zamboanga (zamboanga).

Obwohl Cebuano oftmals auf der letzten Silbe betont wird, können sich Deutsche beruhigt ihrer (hochdeutschen) Muttersprache bedienen. Die Trefferzahl richtig ausgesprochener Worte liegt dabei recht hoch. Vier Besonderheiten sollten jedoch beachtet werden:

»aw« - zumeist am Ende eines Wortes - wird zu »au«: ikaw = du (ikau), adlaw = Tag, Sonne (adlau), sayaw = Tanz (sajau).
»ay« am Wortende oder bei einem folgenden Konsonanten (Mitlaut) wird zu »ai«: gamay = klein (gamai), nanay = Mama (nanai), pagpasaylo = sich entschuldigen (pag-pa-sai-lo).

Und jetzt wird es zweimal etwas schwieriger:

»nga« ist ein Bindewort, z.B. in apo nga babaye, wörtlich: Enkelkind von weiblich, meint also eine Enkelin. Um dieses »nga« richtig auszusprechen sagt man/frau »nang« und drückt dabei die Zungenspitze hinter die untere Zahnreihe.

Gleiches gilt für den Mehrzahlhinweis (Pluralindikator) »mga«, der dann zu »mah-nga« wird. Z.B. anak = Kind, mga anak = Kinder (mah-nga anak).

Mehrfachvokale werden stets getrennt ausgesprochen. Ein »maayo« (gut), gabii (Abend) oder »suiso« (Schweizer) also nicht lang betont sondern ma-ajo, gabi-i und su-iso.

 

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BESONDERHEITEN

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Oft wird in der Sprechweise der Cebuanos nicht zwischen »e« und »i« sowie zwischen »o« und »u« unterschieden. Es kann also durchaus vorkommen, daß Worte wie lihok (Bewegung) lehok oder kamut (Hand) kamot ausgesprochen und geschrieben werden. Gleiches gilt für das eigentlich nicht vorhandene »f«, das einige Filipinos - die sich dann selbstredend Pilipinos nennen - bewußt mit ihrem »p« austauschen. Manchmal bringt es ungemein Spaß, sich diesen Spielchen anzuschließen. Jedenfalls gibt’s dann viel zu lachen, insbesondere mit englischen Begriffen, wenn aus »I’ve got four friends« I’ve got por prends« wird.

Der personifizierende Artikel »si« wird oftmals mit unserem Hilfsverb »sein« verwechselt. Ist er aber nicht! »Ako si Peter« bedeutete keinesfalls »ich bin Peter«, sondern eher »ich der Peter«. Doch damit hatten schon die ersten spanischen Chronisten ihre Problemchen. So wird der erste philippinische Nationalheld Lapulapu in verschiedenen Aufzeichnungen Silapulapu oder auch Cilapulapu überliefert. Ein sprachliches Mißverständnis, denn wenn immer von Humab-ons Feind auf der Nachbarinsel Mactan, Lapulapu, die Rede war, dürfte in diesem Zusammenhang dieser personfizierende Artikel gefallen sein. Und wie wir wissen, hat Pigafetta fleißig notiert ... und doch nicht alles verstanden.

 

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DAS SUBSTANTIV (Hauptwort)

1. Artikel und Plural

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Der bestimmte Artikel (der, die das) ist ang vor Hauptwörtern und si (s.o.) vor Personen; Geschlechter werden nicht unterschieden.

Ein unbestimmter Artikel ist unbekannt, kann aber, soweit erforderlich, durch das Zahlwort usa (eins) gebildet werden. Mehrzahlbildung? Ganz einfach! Dem Wort in der Einzahl wird schlicht ein »mga« (mah-nga) vorangesetzt. Also: Katze - iring; Katzen - mga iring; Hund - iro; Hunde - mga iro ... etc. »Mga« kann auch für nicht genau bestimmte Mengen oder eine unbestimmte Zeit benutzt werden.

Beispiele:

ang taw (tao)       der Mann
mga taw               Männer
usang bata          ein Kind
mga bata             Kinder
ang babaye         die Frau
mga babaye         Frauen
si Oliver             (die Person; der Mensch) Oliver

 

2. Die Endung auf -ng

Geht einem Substantiv (Hauptwort) ein Adjektiv (Eigenschaftswort) voraus, das auf einem Vokal (Selbstlaut) endet, wird diesem ein -ng angehängt. Der häufige Gebrauch alltäglicher Floskeln verleiht da rasch Übung:

maayo (gut)          maayong buntag (Guten Morgen)
bati (schlecht)     bating panahon (schlechtes Wetter)
lami (lecker)        laming pagkaon (leckeres Essen)

aber:

init (heiß)             init nga adlaw (heißer Tag)
bakilid (steil)       bakilid nga bungtod (steiler Hügel)

Endet das Adjektiv auf einem »n«, wie z.B. in daotan (böse), wird schlicht das »g« angehängt. (In der geschriebenen Sprache wird es apostrophiert, also daotan’g).

 

3. Substantive und fünf Wörter, die schnell weiterhelfen

Aduna (Kurzform: duna) bedeutet soviel wie: Haben Sie..., Habt ihr ..., Hast du ... oder Gibt es ...?.

Verbunden mit dem Fragewort bay (Kurzform ba) wird eine solche Frage nicht nur korrekt, sondern auch schon recht gekonnt zu Ausdruck gebracht:

Aduna bay (aduna bai)          Haben Sie (Gibt es, habt ihr ...)

... pagkaon? (pag-ka-on)         Essen (was zu essen)?
... ma inom?                           Trinken (was zu trinken)?
... usang kuwarto (ku-arto)     ein Zimmer?
... usang sakayan (ßakajan)     ein Boot?

Wala heißt soviel wie »Es gibt nicht« oder »Kein«. Oo (ja) und dili (nein) sind ja schon aus dem Vokabular bekannt.

 

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VERBEN & TEMPORA (Zeitwörter & Zeiten)

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War ich in meinen Sprachstudien bisher mit großem Elan vorangeschritten, so erhielt ich hier meinen ersten Dämpfer. Anfänglich konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, daß die Visayan munter drauflos konjugierten, ohne auch nur den Hauch einer Regel zu beachten. Denn wenn immer meine Lehrer, zumeist Leute aus dem einfachen Volk, gesagtes ins Englische übersetzten, schien es, trotz offensichtlich gebeugter Zeitwörter, keine wesentlichen Veränderungen in der Satzaussage zu geben. Da keine der Visayan-Mundarten an Schulen unterrichtet wird und es mir weder in Cebu City noch in anderen Städten möglich war entsprechende Literatur zu erstehen, blieb mir also nichts anderes übrig, als mich akribisch in dieses unerforschte Gebiet hineinzuarbeiten. Es war zermürbend! Einen Mitstreiter fand ich schließlich in meinem Freund Lorillarde Garciano. Lorillarde, kurz Rhy genannt, studierte Architektur und Biologie der Universität von Cebu. Er stammt von Leyte und ist seit einigen Jahren Hobby-Linguist, der mit großer Freude die unterschiedlichen Vokabeln der visayanischen Sprachen notiert und in Wörterbüchern zusammenstellt. Mit meiner Neugier über die Grammatik kam ich ihm gerade recht. Doch auch Rhy’s mußte schließlich eingestehen, daß Konjugieren in Visayan nicht zu den leichtesten Übungen gehört. Da ich allerdings niemander verschrecken will sei an dieser Stelle angemerkt, daß ich das Beugen von Zeitwörtern entschärft habe. Jeder wird nach ein wenig Training richtige Sätze formulieren können, ohne sich des komplexen Umfanges der Verben bewußt zu sein. Los geht’s ...

 

1. Transitive & Intransitive Verben

Zunächst einmal müssen wir zwischen transitiven, d.h. zielenden und intransitiven, d.h. nichtzielenden Verben unterscheiden. Zielende Verben verlangen ein Akkusativobjekt, nichtzielende Verben stehen ohne ein solches.
Bei transitiven Verben kann eine Akkusativergänzung stehen, die im Passiv zum Subjekt wird:

• Ich male ein Bild (aktiv)
• Das Bild wird von mir gemalt (passiv)

Im Cebuano, dessen Grammatik hier stellvertretend für die visayanischen Sprachen stehen soll, werden die zielenden Verben in der Wirklichkeitsform (Indikativ) mit Affixen versehen:

im indikativen Aktiv: mi - mo - nag - mag - naka - maka und
im indikativen Passiv: ma - gi - -on - -an

• Ich male ein Bild [ako nag-gama og hulagway] (indikativ aktiv)
• Das Bild wird von mir gemalt [ang hulagway akong ginama] (indikativ passiv)

- na - und - ma - mit einer untergeordneten Vorsilbe (Präfix) kombiniert verändern ein transitives in ein intransitives Verb.

Ein Großteil der zielenden Verben lassen die Passivendung -on zu, obwohl Ausnahmen vorkommen; alle transitiven Verben können jedoch mit der Passivendung -an versehen werden.

Demnach sind intransitive Verben solche, die außer dem Hauptwort (Subjekt) keine weitere Ergänzungen haben (absolute Verben) oder noch mindestens eine weitere Ergänzung zu einem grammatisch korrekten Satz benötigen (relative Verben).

Das Kind lacht. (absolutes Verb)
Ich erinnere mich meines Lebens. (relatives Verb im Genitiv)
Ich danke meiner Frau. (relatives Verb im Dativ)
Sie kauft ein Buch. (relatives Verb mit Präpositionalergänzung)
Hagen liegt an der Volme. (relatives Verb mit Situativergänzung)
Alle nichtzielenden (intransitiven) Verben erlauben das Anhängen eines -an, enden jedoch nur in Ausnahmefällen auf -on.

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2. Indikativ & Konjunktiv

Generell gibt es nur einen Modus: den Indikativ (Wirklichkeitsform). Dem Konjunktiv (Möglichkeitsform) geht in allen visayanischen Mundarten eine Partikel oder ein Bindewort voraus. Es gibt ihn folglich in der uns bekannten Form mit würde, hätte, wäre etc nicht.

 

3. Affixe & Infixe

Verben werden durch Affixe, d.h. Vorsilben (Präfixe) und Nachsilben (Suffixe), und Infixe (Mittelsilben) gebeugt. Eine Grundform (Infinitiv), wie wir ihn im Deutschen kennen, ist nicht bekannt. Allerdings besitzt ein Verb durch Anfügen der Vorsilbe pag- eine Stammform, die dadurch in etwa eine infinite Form erhält.

Das Infix (Mittelsilbe) -um, generell ein Hinweis auf einen Imperativ (Befehlsform), gerät mehr und mehr aus der Mode, da sich die Befehlsform durch andere Wörter ausdrücken läßt. Wir werden es daher in diesem kleinen Sprachkurs unberücksichtigt lassen.

Und nun ans Eingemachte:

4. Konjugationen & Tempora

Der Einfacheit halber stellen wir uns alle Verben ohne Affix als Stammwort und mit dem Präfix pag- als infinite, d.h. ungebeugte, Grundform vor. (Anmerken möchte ich jedoch, daß, streng genommen, Verben ohne die Vorsilbe pag- bereits finite, als gebeugte Verben sind) Beginnt das Stammwort mit einem Konsonanten wie in -tuon (lernen), werden die Vorsilben unmittelbar angehängt (pagtuon, nagtuon etc.); beginnt es mit einem Vokal wie in -inom (trinken), wird zwischen Vorsilbe und Verb ein Bindestrich gesetzt (pag-inom, mo-inom etc).

Auch in den Tempora beschränken wir uns auf die absoluten Zeiten: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft.

Stammwort: -tuon (lernen)
Grundform: pagtuon

 

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Die Vorsilben nagnimo

Stammwort -tuon Grundform pagtuon lernen
Gegenwart Ako nagtuon og Cebuano Ich lerne Cebuano
  ich lernend ein Cebuano  
Vergangenheit Ako nituon og Cebuano Ich lernte Cebuano
  ich lernte ein Cebuano  
Zukunft Ako motuon og Cebuano Ich werde Cebuano lernen
  ich (werden) lernen ein Cebuano  

 

Stammwort

Grundform

trinken

Gegenwart

Ako nag-inom

Ich trinke

 

ich trinkend

 

Vergangenheit

Ako ni-inom

Ich trank

 

ich trank

 

Zukunft

Ako mo-inom

Ich werde trinken

 

ich (werden) trinken)

 

 

Die Vorsilbe nag- ändert in Fragen ihre Zeitform und mutiert von der Gegenwartsform in die Vergangenheit:

Ako nag-inom og kape Ich trinke einen Kaffee
Ikaw ang nag-inom sa kape? Trankst du den Kaffee?

 

Oder (mit einem Grinsen in meinem Gesicht) mal etwas schwieriger:

Ako nagbaligya og mga prutas Ich verkaufe Früchte
Kinsa’y nagbaligya nimo anang prutas? Nadaot na! Wer verkaufte dir diese Früchte? Sie sind verdorben!

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Die Vorsilbe na

Die Vorsilbe na kann in etwa mit dem Deutschen »tun« verglichen werden. Sie kommt nur in der Gegenwartsform vor und wird benutzt, um eine Aussage zu bekräftigen oder eine Frage zu stellen.

Akong natuon ang Cebuano Ich tue Cebuano lernen (Ich lerne Cebuano!)
ich tun lernend das Cebuano  
Natudlo nimo nako ang Cebuano? Tust du mir Cebuano lehren? (Lehre mich ...!)
tun lehren du mir das Cebuano  

 

Die Vorsilbe gi

Die Vorsilbe gi wird gleichfalls als Fragewort sowie für einfache Stellungnahmen verwendet. Sie bezieht sich auf Zustände, die in der Vergangenheit begonnen haben, in der Gegenwart jedoch noch andauern und kann daher vage mit der englischen vollendeten Gegenwart (Perfect) verglichen werden. Obwohl gi frei übersetzt eher der Vergangenheitsform von »tun« entspricht, erscheint es mir verständlicher, gedanklich unsere Hilfsverben »sein« oder »haben« einzusetzen.

Gi-inom nimo ang kape? Hast du Kaffee getrunken?
tatest du trinken den Kaffee  
Akong gi-inom ang kape. Ich habe Kaffee getrunken.
ich tat trinken den Kaffee  

 

Die Vorsilbe i und die Nachsilben i und hi

Wird einem Verb die Vorsilbe i vorangestellt, erhält es einen auffordernden Charakter für eine zukünftige Handlung. Die eigentliche Befehlsform allerdings wird durch die Nachsilben i und hi gebildet.

Itudlo nako ang Cebuano Lehre mich Cebuano
(sollen) mich lehren das Cebuano  
Tudloi ko og Cebuano! Lehre mich Cebuano! (echter Imperativ)
lehren mich ein Cebuano  
Sultihi ko sa kamatuoran! Sag mir die Wahrheit
erzählen mir von Wahrheit  

 

Um Euch der Schwierigkeit zu entledigen, wann den nun ein i oder hi angehängt wird – zumal das h in sultihi sulti-hi ausgesprochen wird – führe ich alle Verben in ihrer imperativen Form auf, die mit hi enden:

largahi (larga-hi)       Reise ab!
tuohi (tuo-hi)             Glaube!
basahi (basa-hi)         Lies!
ablihi (abli-hi)            Öffne!
kantahi (kanta-hi)      Singe!
sultihi (sulti-hi)         Sprich! Sag!
damgohi (damgo-hi)   Träume!

Zwei Ausnahmen sind die Verben bayad (bezahlen) und lingkod (sitzen), die in der Befehlsform zu bayari (Zahle!) und lingkori (Sitz! Setz dich!) werden.

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Die Vorsilbe ma

Die Vorsilbe ma, verbunden mit einem Verb bedeutet frei wiedergegeben soviel wie »kann ... werden«. Steht ma vor einem Adjektiv (Eigenschaftswort) übernimmt es die Aufgabe eines Hilfsverbes und entspricht dann etwa unserem »sein«. Aber vorsicht! Auch andere Affixe übernehmen eine solche Funktion, denn ein eigentliches Hilfsverb, das unserem »sein« entspricht, existiert in den visayanischen Sprachen nicht. (Der Begriff »sein« findet sich in den Worten anaa, duna, -kita und - sangpot) Mit ma kann darüber hinaus eine Wunschform ausgedrückt werden.

Frage: Puwede kini nakong makaon ang prutas? Kann dieses Frucht gegessen werden?
können diese ich kann werden essen das Frucht?  
Antwort: Oo, makaon kana.  
ja, kann werden essen das Ja, das kann gegessen werden

 

Siya gusto nga malipay Er/sie ist glücklich
er/sie möchten von sein glücklich  
Gusto ko nga malingaw ka sa imong bakasyon sa Cebu City Ich möchte, daß du deine Ferien in Cebu City genießt
möchten ich von geniessen du in deinen Ferien in Cebu City  

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Die Vorsilben maka und naka

Maka und naka übernehmen die Aufgabe des Modalverbs »können«; maka in der Gegenwart und der Zukunft, naka in der Vergangenheit. Genau genommen jedoch stehen diese beide Vorsilben für Futur II, die vollendete Zukunft (maka) und Plusquamperfekt, die vollendete Vergangenheit (naka). Da beide aber potential (d.h. eine Möglichkeit betreffend) gebraucht und eingesetzt werden, dürfen ausländische Besucher beruhigt das modale »können« zugrunde legen.

Makatabang ka ba nako? Kannst du mir helfen?
können helfen du mir  
Ayaw pagkaon ana! Makahilo na nimo! Iß das nicht! Das kann dich vergiften!
(du) nicht essen das! können vergiften das dich  

 

Wala ka nakatabang nako. Du konntest mir nicht helfen
nicht du konnten helfen mir  
Pagkahuman sa akong pagpuyo sa Pilipinas, ako nakasabot sa panghuna-huna sa mga Pilipino. Nach meinem Aufenthalt auf den Philippinen konnte ich die Mentalität der Filipinos verstehen.
nach ich in Aufenthalt in Philippinen ich konnten verstehen von Mentalität von Filipinos  

 

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Die Vorsilbe ika

Verbunden mit einem Verb bedeutet ika soviel wie »könnte«; ist es einem Adjektiv vorangestellt ändert es sich zu »wäre«. Aber auch hier sei angemerkt, daß ich dabei unsere sprachliche Vorstellung zugrunde lege.

Ikatudlo ba nimo nako ang dalan paingon sa Lahug, palihug? Könnten Sie mir den Weg nach Lahug sagen, bitte?
könnten sagen (Fragewort) du/Sie mir das Weg zu Lahug bitte  

 

Akong ikahimoot kon imo ... Ich wäre dankbar, wenn du/Sie ...
ich wäre dankbar wenn du/Sie ...  

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Die Nachsilbe -an

Die Nachsilbe -an verbunden mit einem Verb drückt die Möglichkeitsform mit »würden« aus, die, wie bereits oben erwähnt, als eigene sprachliche Form, entsprechend unserem Konjunktiv, nicht existiert. Hinzu kommt, daß -an nur Verben angehängt werden kann, die sich auf die 1.Person Singular (ich) beziehen.

 

Kon gusto gyod ka, tudloan ko ikaw og Cebuano. Wenn du (es) wirklich willst, würde ich dir Cebuano lehren
wenn mögen wirklich du, lehren würden ich dir ein Cebuano  

Die Nachsilbe -on

Die Nachsilbe -on deutet auf eine unmittelbar bevorstehende Handlung hin, gehört als zum Futur, der Zukunft. Es wandelt gleichzeitig ein Objekt zum Subject, also eine aktive Form in eine passive. (Ich male ein Bild ... Das Bild wird von mir gemalt) Diese sehr komplizierte Eigenart der visayanischen Sprache läßt sich daher nur mit grammatikalischen Klimmzügen ins Deutsche übertragen. Mein Tip: Anschauen, lächeln, weiterblättern!

Buhata Tu es; tu’s
Aber: »Imong buhaton« verändert sich zu »Buhaton (i)mo(ng)« also »Buhaton mo« Du es tun; du tust es

 

Hilfswörter

Wie an anderer Stelle schon erklärt ist das oft fälschlich als Hilfsverb eingesetzte si ein personifizierender Artikel, der immer und nur vor Namen steht. Vor Eigenschaftsworten und Zuständen etc. steht ay.

Ako si Peter, ikaw si Oliver         ich (der Mensch) Peter, du (der Mensch) Oliver
Ikaw ay Cebuano                        du (bist) Cebuano

Geht dem ay der Vokal »a« voraus, wird in der Aussprache nur das »y« betont. In der geschriebenen Sprache wird apostrophiert.

Unsa’y imong nglan                      Wie (ist) dein Name? (Wie heißt du?)
Kinsa’y nidaog sa dula?                Wer gewann das Spiel?

 

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Partikeln Kon & Kun

Die Partikel kon (ausdrücklich mit »o«) bedeutet »ob; wenn«; kun (ausdrücklich mit »u«) heißt »oder«. Die Unterscheidung zwischen den Vokalen »o« und »u«, so oft sie auch an anderer Stelle unwesentlich sein mag, ist hier wichtig. Kon dili (getrennt geschrieben) übersetzt sich mit »wenn nicht«, Kundili (zusammen geschrieben) hingegen »nicht nur ... aber«.

 

Pronomen (Nur Visayan)

Nominativ Objektiv Possessiv
ich ako mich/mir nako (kanako) meins ako (ako’a)
du ikaw dich/dir nimo (kanimo) dein(s) imo (imoha)
er siya ihm/ihn niya (kaniya) seins iya (iyaha)
sie siya ihr/sie niya (kaniya) ihrs iya (iyaha)
wir (du und ich) kita uns nato (kanato) unser, unseres ato (ato’a)
wir (ich und andere) kami uns namo (kanamo) unser, unseres amo (amo’a)
ihr kamo euch ninyo (kaninyo) euer, eures inyo (inyoha)
sie (Plural) sila sie/ihnen nila (kanila) ihnen ila (ilaha)

Die eingklammerten Alternativen geben die jeweilige Form der Pronomen an, wenn sie in einem vollständigen Satz gebraucht werden.

 

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